Chronik des VfB Stuttgart

Der VfB Stuttgart (offiziell: Verein für Bewegungsspiele Stuttgart 1893 e. V.) ist ein Sportverein aus dem Stuttgarter Stadtbezirk Bad Cannstatt. Der VfB ist mit 44.503 Mitgliedern der achtgrößte Sportverein Deutschlands und der größte Baden-Württembergs (Stand: Februar 2012). Bekannt ist vor allem seine Fußballabteilung, deren erste Mannschaft bis auf zwei Spielzeiten stets Mitglied der Bundesliga war und insgesamt fünfmal Deutscher Meister und dreimal DFB-Pokalsieger wurde. In der ewigen Tabelle der Bundesliga belegt die Mannschaft den vierten Platz.

Neben den Fußballern des Vereins gewannen auch Sportler der Leichtathletikabteilung zahlreiche Titel und Medaillen. Zudem unterhält der Verein Abteilungen für Fußballschiedsrichter, Faustball, Hockey, Tischtennis und Handball (wenn auch derzeit ohne aktive Mannschaft). In diesen fünf Sportabteilungen waren bisher nur Amateursportler aktiv. Darüber hinaus gibt es eine Abteilung für Geselligkeit in Form der VfB-Garde.

Ihre Heimspiele bestreitet die erste Fußballmannschaft des VfB in der Mercedes-Benz Arena, die im Veranstaltungsgelände Neckarpark in Stuttgart-Bad Cannstatt angesiedelt ist. In unmittelbarer Nähe (direkt neben dem Stadion, hinter der Unterthürkheimer Kurve auf der gegenüberliegenden Seite des Fritz-Walter-Wegs) befindet sich das Vereinsgelände mit Robert-Schlienz-Stadion, Trainingsplätzen und dem roten Clubhaus.

Geschichte

1893 bis 1912: Von den Anfängen zur Fusion

Im Vereinsnamen des VfB ist das Jahr 1893 aufgenommen, das sich auf einen der beiden Vorgängervereine, den FV Stuttgart bezieht, der 1912 mit dem Kronen-Klub Cannstatt zum heutigen VfB fusionierte. Beide Vereine wurden hauptsächlich von Schülern, zumeist mit Wurzeln im kaufmännischen Bürgertum, gegründet. Den Schülern wurden neue Sportarten wie Rugby oder Fußball von englischen Pionieren nahe gebracht; später warben sie für ihren Sport in neuen Vereinen.

FV Stuttgart

Die Wurzeln des VfB gehen zurück bis ins Jahr 1893, als am 9. September im Gasthaus Zum Becher der Stuttgarter FV 93 gegründet wurde.

Die Gründung des FV Stuttgart ist auch auf die Initiative des Cannstatter Fußball-Clubs zurückzuführen, der die jungen Gründungsmitglieder des FV 93 bei diesem Vorhaben unterstützte. Der Stuttgarter FV trug regelmäßig Trainingsspiele gegen den CFC aus und trainierte bereits kurz nach der Gründung auch das Fußballspiel. Zunächst fungierte der FV jedoch hauptsächlich als Rugby-Klub, der seine Heimstätte auf der Stöckach-Eisbahn hatte und 1894 auf den Cannstatter Wasen umzog. Die Mannschaft setzte sich hauptsächlich aus Schülern der Stuttgarter Realschulen und Gymnasien, unter der Leitung des Lehrers Carl Kaufmann, zusammen und errang schnell erste Erfolge: 1909 wurde der FV Deutscher Vizemeister im Rugby, als die Mannschaft erst im Endspiel dem FC 1897 Hannover mit 3:6 Punkten unterlag. Verschiedene Spieler kamen zu internationalen Einsätzen; so gewann Hugo Betting mit der ansonsten ausschließlich aus Frankfurter Spielern bestehenden deutschen Rugby-Auswahl bei den Olympischen Spielen 1900 die Silbermedaille. Dennoch verlor Rugby im Verein gegenüber Fußball (dem damaligen Association) zusehends an Boden. Das Spiel war vielen Zuschauern zu kompliziert. Trotz der Abwendung vom Rugby sahen später viele die Wurzeln des deutschen Rugbysports am Cannstatter Wasen. Philipp Heineken, ein Rugbypionier, der für den FV 93 spielte und nach New York auswanderte, erklärte sogar, dass der Wasen als „Geburtsstätte des deutschen Rugbysports“ gelten darf. Das führte Heineken darauf zurück, dass das Rugbyspiel in Cannstatt 1865 durch William Cail eingeführt wurde. Nachdem die Militärverwaltung immer seltener dem FV Benutzungszeiten auf dem Cannstatter Wasen zugestand, mussten die Fußball- und Rugbyspieler immer öfter auf den Stöckachplatz ausweichen, bis dem Verein die Benutzung des Wasens schließlich endgültig untersagt wurde. Der FV warf deshalb dem Militärgouvernement vor, die Turnvereine, deren Sportart damals als disziplinierter bekannt war, zu bevorzugen. Nun konnten die Spieler nur noch auf dem schiefen Stöckachplatz spielen, der nach der Aussage vieler Spieler des FV damals offenbar völlig untauglich war. So pachtete der Verein von der Stadt ein Feld auf dem Adelsberg, welches beim FV als Rugbyfeld bekannt war.

1909 trat der Verein dem Süddeutschen Fußballverband bei. Die Mannschaft wurde gleich der Süddeutschen B-Klasse zugeteilt, obwohl inzwischen auch eine C-Klasse existierte. Schon im zweiten Jahr wurde der FV ausgerechnet gegen den punktgleichen späteren Fusionspartner, den Kronen-Club Cannstatt, in einem Endspiel Bezirksmeister. Den Aufstieg erreichten die Fußballer nach einer Niederlage im Spiel um die Gaumeisterschaft gegen den FV Zuffenhausen nicht. Erst im folgenden Jahr gelang schließlich nach geltenden Bestimmungen der Aufstieg, da die Mannschaft Gaumeister und B-Südkreismeister wurde. Da der Verbandstag die Bestimmungen änderte und die Gründung einer neuen Südkreisliga als oberste Spielklasse Süddeutschlands beschloss, war der Aufstieg nicht gesichert. Die entscheidenden Spiele entschied der FV nicht mehr allein für sich, denn vor den Aufstiegsrundenspielen gegen den FV Germania Beiertheim und den FC Mühlburg war die Fusion mit dem Kronen-Club Cannstatt bereits vollzogen.

Kronen-Klub Cannstatt

Schon 1890 gründeten einige Cannstatter Schüler den Cannstatter Fußballklub. Zuerst wurde dort nur Rugby gespielt. Es dauerte nicht lange, bis der Fußball eingeführt wurde. Nach wenigen Jahren verlor der Fußball in dem später zum Cannstatter Tennisclub umbenannten Verein an Bedeutung und so bildete sich 1897 aus ehemaligen Mitgliedern dieses Vereins der Kronen-Klub Cannstatt, der ebenfalls von ehemaligen Schülern gegründet wurde. Dort spezialisierte man sich alleine auf den Fußball.

Nachdem der Süddeutsche Fußballbund den Kronen-Klub 1903 der unteren von zwei bestehenden süddeutschen Spielklassen zugeordnet hatte, spielte die Fußballmannschaft bereits 1904 um den Aufstieg in die erste süddeutsche Spielklasse, wo die Fußballer gegen die zweite Mannschaft der Stuttgarter Kickers antraten. Der vorgesehene Schiedsrichter erschien zu diesem Spiel nicht, so dass sich der Verbandsschriftführer Scivessy bereit erklärte, das Spiel zu leiten. Der Kronen-Club gewann, doch wurde anschließend ein Wiederholungsspiel angeordnet, welches verloren wurde.

In den kommenden Jahren spielte das Team in der B-Klasse oben mit, ohne je wieder ein Entscheidungsspiel um den Aufstieg zu erreichen. Der Kronen-Klub Cannstatt besaß in Stuttgart-Münster einen eigenen Fußballplatz, der bis heute besteht. Inzwischen spielt dort der TSV Münster.

Fusion und Sieg im Entscheidungsspiel

Die Aufstiegsmannschaft 1912

Für Ligaspiele war das Rugbyfeld auf dem Adelsberg wenig geeignet, so dass beim FV die Idee einer Fusion mit dem 1897 gegründeten Kronen-Klub Cannstatt aufkam. Da der Kronen-Klub sportlich nur begrenzte Aussichten hatte und der FV Stuttgart, der gerade gute Chancen hatte, den Aufstieg in die süddeutsche A-Klasse zu schaffen, über eine Mannschaft mit guter Perspektive verfügte, kamen sich die Verantwortlichen schließlich näher. Am 2. April 1912 vereinigten sich beide Klubs zum Verein für Bewegungsspiele Stuttgart 1893 e. V., der dank der B-Südkreismeisterschaft des Stuttgarter FV gleich um die Qualifikation für die neue Südkreisliga antrat. Die Fusionsversammlung fand im Cannstatter Hotel Concordia statt. Erster Vorsitzender wurde Wilhelm Hinzmann. Die ersten Pflichtspiele nach der Fusion bestritt der VfB Stuttgart in der Aufstiegsrunde zur Südkreisliga, für die sich der Verein als FV Stuttgart qualifiziert hatte. Am 25. August 1912 besiegte der VfB in seinem ersten Pflichtspiel nach der Fusion den FV Germania Beiertheim mit 4:3 und erreichte somit ein entscheidendes Spiel um den Aufstieg gegen den FC Mühlburg. In diesem Entscheidungsspiel um den Aufstieg am 1. September 1912 in Karlsruhe-Durlach siegte der VfB gegen Mühlburg mit 1:0 durch einen entscheidenden Kopfballtreffer in den letzten Minuten von Copé Wendling. Somit war der VfB von Anfang an erstklassig und spielte in der Südkreisliga, der damals höchsten deutschen Spielklasse.

1912 bis 1933: Erster Weltkrieg und erste Titel

Saison

Platz

Zuschauer

1912/13

6/8

 

1913/14

7/7

 

1914/15

7/8

 

1919/20

5/10

 

1920/21

5/10

 

1921/22

2/8

 

1922/23

6/8

 

1923/24

1/7
2/5

 

1924/25

5/8

 

1925/26

2/8

7.400

1926/27

1/10
5/6

10.111

1927/28

3/9
4/8

4.230

1928/29

3/8
5/8

5.142

1929/30

1/8
5/8

11.375

1930/31

4/8

4.833

1931/32

2/10
8/8

7.375

1932/33

3/10

5.688

In den kommenden beiden Jahren spielte der VfB in der Südkreisliga nur um die unteren Plätze und war der Gefahr ausgesetzt wieder abzusteigen. Der Erste Weltkrieg brachte das Vereinsleben fast zum Erliegen. Am 1. August 1914 traf man sich zum letzten Mal zu einem Freundschaftsspiel. Nachdem die meisten Spieler und Verantwortlichen bereits ihre Einberufung erhalten hatten, gab es in der Altdeutschen Bierstube eine Abschiedsfeier. Der Rugby-Platz am Karl-Olga-Krankenhaus wurde dem Roten Kreuz zur Verfügung gestellt, das dort gleich ein Lazarett errichtete. Danach trafen sich vor allem Jugendliche am Münster-Platz. Nachdem der Präsident Wilhelm Hinzmann eingezogen worden war, kümmerten sich vor allem die nun Verantwortlichen Julius Lintz, der Hinzmann als Präsident vertrat und Ernst Grimm um die Jugendspieler. Erst im Oktober 1914 bekam der Verein wieder eine Elf zusammen. Nach einer Woche waren nur noch sieben Spieler verblieben. Der Verband schaffte nun die Pflichtrunde ab und führte Spiele um den Eisernen Fußball ein.

Für diese durfte man sich mit anderen Vereinen zu Kriegsmannschaften zusammenschließen, und so bildete der VfB kurzfristig mit dem FV Die Blauen Elf eine Mannschaft. Ein Jahr später stellte der Verein, nach der Rückkehr von Verwundeten und Genesenden, schon wieder drei eigene Kriegsmannschaften. Am Ende des Jahres 1917 hatte der Klub sogar wieder fünf Mannschaften beisammen. Ernst Grimm stellte einen Kriegsausschuss zusammen, der den Verein am Leben hielt, obwohl drei Viertel der Mitglieder eingezogen waren. So verhinderte der Ausschuss die Umwandlung des Münster-Platzes, des einzigen verbliebenen Fußballplatzes, in ein Kartoffelfeld. Wilhelm Hinzmann übernahm nach seiner Rückkehr einen intakten Verein; wenig später, 1918, übergab er seinen Posten an Gustav Schumm. Noch heute würdigt eine Ehrentafel, die 1925 enthüllt wurde, neunzig Gefallene aus den Reihen des VfB.

1923 wurde Karl-Adolf Deubler Präsident des Vereins, er hatte das Amt bis 1931 inne.

In den 1920ern stieg die Mitgliederzahl schnell über 1000 – vor allem Jugendliche waren im Verein aktiv. Allerdings erwies sich der Platz in Münster als ungeeignet für den VfB, da er fernab der Anhängerschaft gelegen war. Da das Rugbyfeld im Ersten Weltkrieg landwirtschaftlich genutzt wurde und ebenfalls als Spielfeld ausfiel, benötigte der Verein dringend einen Platz. Als der Exerzierplatz auf dem Cannstatter Wasen nach dem Krieg nicht mehr benötigt wurde, entstand die Idee einer Rückkehr nach Bad Cannstatt. 1919 wurde der Platz bei den drei Pappeln auf dem Cannstatter Wasen eröffnet. Er blieb bis zur Eröffnung der heutigen Mercedes-Benz Arena 1936 Heimspielstätte des VfB. Nach Kriegsende versuchte der Verband sofort, den Spielverkehr wieder in geregelte Bahnen zu führen. So beschloss der Verbandstag die Gründung einer Württembergischen Liga mit acht Vereinen. Der VfB gehörte dieser Liga an, da er vor dem Krieg in der Südkreisliga ebenfalls erstklassig war. Bis 1922 spielte die Fußballmannschaft in dieser Liga immer oben mit, obwohl das Team nie Meister wurde. 1923 wurde dann vom Verbandstag ein neues Spielsystem eingeführt, welches eine neue Bezirksliga Württemberg/Baden als höchste Spielklasse vorsah. Um sich für die höchste Spielklasse zu qualifizieren, hätte der VfB in der Saison 1922/23 unter den ersten vier Vereinen der Württembergischen Liga landen müssen. Dies gelang nicht, so dass die Mannschaft in der darauffolgenden Saison 1923/24 in der IL Klasse der neugegründeten Kreisliga antreten musste, wo der VfB sofort Kreismeister Cannstatts wurde und sich somit für die Aufstiegsspiele qualifizierte. Dort erreichte man im ersten Anlauf den Aufstieg in die Württemberg-badische Bezirksliga und damit die sofortige Rückkehr in die Erstklassigkeit. Im entscheidenden Spiel besiegten die Fußballer am 1. Juni 1924 den bereits qualifizierten SC Freiburg mit 5:3.

Durch die gute Jugendarbeit gelang dem VfB in der Zwischenkriegszeit der Aufbau einer erfolgreichen ersten Mannschaft, die mit Spielern wie Richard „Molly“ Schauffele (später u. a. Präsident der Stuttgarter Kickers) 1927 württembergisch-badischer Meister wurde. Die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft erreichte die Mannschaft nicht. Im selben Jahr wurde vom Verbandstag in Mainz eine Aufteilung der jungen Bezirksliga in die Abteilungen Württemberg und Baden beschlossen. Ernst Blum wurde 1928 der erste deutsche Nationalspieler des VfB, als er unter Reichstrainer Otto Nerz gegen Dänemark debütierte. Sowohl 1928 als auch 1929 erreichte der Verein die Trostrunde der Zweiten und Dritten der Bezirksligen. 1929 kam es zu einem Eklat: Durch Zuwendungen an die Spieler hatte der VfB gegen die Amateurstatuten verstoßen. Den Spielern war schon damals bewusst, dass sie die Zuschauereinnahmen positiv beeinflussen konnten und waren der Meinung, dass ihnen ein Anteil daran zusteht. So war der Verein vorerst bereit, die Forderungen der Spieler zu erfüllen, doch mit der Zeit konnte es sich der Klub nicht mehr leisten, Spieler unter der Hand zusätzlich zu bezahlen. Nach einer Selbstanzeige wurde der Verein vom Verband mit einer hohen Strafe belegt. Die betreffenden Spieler wurden vom VfB nicht mehr berücksichtigt, weshalb der VfB als Abstiegskandidat galt. Dennoch gelang einer tiefgreifend verjüngten Mannschaft unter dem damaligen Trainer Lajos Kovács 1929/30 die Württembergische Meisterschaft und erreichte erstmals die Süddeutsche Meisterrunde, an der das Team 1932 allerdings erfolglos teilnahm.

1933 bis 1945: Anpassung an den Nationalsozialismus

Saison

Platz

Zuschauer

1933/34

3/9
1/4

5.437

1934/35

1/10
1/4

8.500

1935/36

3/10

5.000

1936/37

1/10
1/4

7.500

1937/38

1/10
3/4

7.090

1938/39

2/10

6.857

1939/40

1/6
2/4

4.220

1940/41

2/12

5.100

1941/42

2/10

 

1942/43

1/10

 

1943/44

4/10

 

Die Zeit des Nationalsozialismus gehört zu den dunklen Kapiteln der Vereinsgeschichte. Auch beim VfB konnten einige der Verantwortlichen die Demütigungen durch den Versailler Vertrag nur schwer akzeptieren. Im 1919 kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs geschriebenen Vereinslied erklang der Wunsch nach einem starken Deutschland; so steht im Text des Liedes in Bezug auf das deutsche Vaterland: … dass es neu und stark ersteh, dafür spielt der VfB! Der ehemalige Präsident Egon Reichsgraf von Beroldingen legte Wert auf die Feststellung: Der VfB hatte schon von jeher Deutschland auf dem Panier! Zudem pflegte der Verein schon immer gute Beziehungen zu militärischen Kreisen.

Durch die aufkommende nationalsozialistische Bewegung versprachen sich viele beim VfB einen Neubeginn. Willig stellten die Vereinsoberen 1932 ihren damaligen Platz an den drei Pappeln für NSDAP-Kundgebungen zur Verfügung. Von der Stadt wurde dem VfB daraufhin sofort der Platz gekündigt. Nach der Machtergreifung der NSDAP in Stuttgart wurde diese Entscheidung wieder rückgängig gemacht. Der neue von der NSDAP eingesetzte Oberbürgermeister lobte den VfB als „schon vor dem Umbruch dem Nationalsozialismus wohlgesonnenen Verein“. Die offiziellen Verlautbarungen der Vereinsführung ließen keinen Dissens zu den Zielen der NSDAP erkennen, diese Ziele wurden offenbar mitgetragen. Der damalige Vereinspräsident Hans Kiener trat schon 1932 der NSDAP bei und erklärte der VfB sei ein Hort nationaler Gesinnung und eine Trutzburg gegen alles Undeutsche. Kiener wurde von nun an Vereinsführer genannt und von oben mit kommissarischen Vollmachten ausgestattet. Es gab nun im Verein auf Drängen des Reichssportführers und des Verbandes Wehrsport einen SA-Sturm beim VfB. Jüdische Vereinsmitglieder wurden nun ausgeschlossen, auch wenn diese Verdienste um den Verein vorweisen konnten. Fritz Walter wollte das Vorgehen des Vereins später rechtfertigen als er erklärte: Das hat man halt machen müssen, sonst wäre vielleicht der Verein am Ende gewesen.

„Uns einen nicht nur Spiele, nicht nur die Freud’ am Sport,
Was unsere Freundschaft bindet, das sagt ein ander Wort:
Wir wollen Kameraden sein, erprobt in Freud und Leid,
Es sei verbannt aus unsern Reih’n die Missgunst und der Neid
Die Parole heißt zum Wohl und aus Lieb zum Vaterland,
Ihm zur Ehr, immer mehr, stählen wir uns unverwandt
Und bei jedem frischen, frohen Spiel, denken wir an unser höchstes Ziel l
Dass es neu und stark ersteh’, dafür „spielt“ der VfB!““

– Dritte Strophe des VfB-Lieds. Dem VfB gewidmet von Mitglied Dr. Wilhelm Ullrich.
Melodie: 0 Deutschland hoch in Ehren

Neue Möglichkeiten eröffnete zusätzlich die 1933 zum Deutschen Turnfest errichtete Adolf-Hitler-Kampfbahn. Nachdem die Stadt das alte VfB-Gelände für das Cannstatter Volksfest benötigte, musste der Verein sich wieder eine neue Heimspielstätte suchen. Die weitgehende Identifikation mit den neuen Machthabern ermöglichte dem VfB nun eine kontinuierliche Fortentwicklung auf sportlichem Gebiet. Damals wurden Gauligen eingeführt, in denen die jeweiligen Gaumeister ermittelt wurden.

1933 wurde der Verein Süddeutscher Pokalmeister, 1935 wieder Württembergischer Meister. Somit waren die Fußballer erstmals für die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft qualifiziert. Nachdem die Mannschaft die ersten beiden Gruppenspiele verloren hatte, schien die Situation aussichtslos zu sein. Im letzten und entscheidenden Gruppenspiel gegen den direkten Konkurrenten SpVgg Fürth erreichte das Team noch das Halbfinale, wo der VfL Benrath bezwungen wurde. Und so drang der VfB zum ersten mal bis ins Endspiel um die Deutsche Meisterschaft vor, in dem der Finalist in Köln den überlegenen Schalkern mit 4:6 unterlag. Doch auch als Vizemeister wurden die Spieler bei der Rückkehr nach Stuttgart von tausenden Fans gefeiert.

Spieldaten des Endspiels um die Deutsche Meisterschaft 1935

1937 folgte die 3. Württembergische Meisterschaft und die Mannschaft qualifizierte sich erneut für die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. Nachdem die Fußballer die Gruppenphase souverän als Gruppensieger überstanden, unterlag der Klub im Halbfinale wieder dem FC Schalke 04 und siegte im Spiel um Platz 3 gegen den Hamburger SV. 1938 verteidigte der VfB den Württembergischen Meistertitel, schied jedoch diesmal schon in der Gruppenphase der Meisterschaftsendrunde als Gruppendritter aus. 1939 wurde das Team nur Württembergischer Vizemeister. Der Zweite Weltkrieg wirkte sich anders auf das Vereinsleben aus als der Erste Weltkrieg. Er hatte gravierende Auswirkungen auf das Vereinsleben. Sehr häufig war Stuttgart Ziel von Bombenangriffen. Auch das Vereinsgelände das VfB wurde schwer getroffen, nachdem viele Sprengladungen militärische Ziele, wie die anvisierte Eisenbahnlinie oder das Daimler-Benz-Werk, verfehlten. Doch trotz der Kraterlandschaft, in die sich die Heimat des VfB verwandelte, und obwohl Spieler und Vereinsfunktionäre immer öfter durch die Kriegshandlungen starben, konnten die Verantwortlichen das Vereinsleben erhalten. 1939/40 wurde lediglich eine Kriegsmeisterschaft im engsten Rahmen ausgetragen, in der die Fußballer die Qualifikation für die Meisterschaftsendrunde am Ende nicht schafften. In der wieder regelmäßig laufenden Gauliga erreichte der VfB 1941 und 1942 die Vizemeisterschaft, wurde 1943 zum letzten mal Gaumeister und schied in der Vorrunde der Deutschen Meisterschaft im K.-o.-System gegen TSV 1860 München aus, ehe im März 1945 die Gauliga Württemberg durch den Krieg endgültig zum Erliegen kam. Dem VfB verblieben immer genug Spieler, um ohne die Hilfe anderer Vereine Kriegsmannschaften zu stellen. Allerdings nutzte der Verein viele Gastspieler sowohl aus dem Inland, als auch aus dem Ausland. Auch Spieler aus besetzten Ländern kamen freiwillig, da sie als Fußballer leichter Akzeptanz finden konnten. Unter ihnen waren prominente Spieler wie zum Beispiel Rudolf Gellesch. Als der Vereinsführer Hans Kiener 1944 durch einen Bombenangriff schwer verletzt wurde, übernahm nach dessen Evakuierung der zweite Vorsitzende Fritz Walter die Verantwortung. Am 2. April 1945 bestritt der VfB das letzte Spiel vor Kriegsende, welches zwischenzeitlich wegen Fliegerangriffen unterbrochen werden musste.

1945 bis 1963: Wiederaufbau und Erfolge

Saison

Platz

Zuschauer

1945/46

1/16

10.264

1946/47

6/20

11.658

1947/48

5/20

17.895

1948/49

6/16

13.600

1949/50

2/16

18.000

1950/51

4/18

13.353

1951/52

1/16
1/4

19.467

1952/53

2/16
1/4

20.067

1953/54

1/16
2/3

15.133

1954/55

13/16

13.933

1955/56

2/16
3/4

21.266

1956/57

4/16

17.167

1957/58

9/16

16.767

1958/59

5/16

16.100

1959/60

7/16

14.633

1960/61

7/16

11.000

1961/62

5/16

13.833

1962/63

6/16

19.447

 

Das erste Silberne Lorbeerblatt, das an eine Mannschaft verliehen wurde.

Der Zweite Weltkrieg stellte eine Zäsur für den Verein dar. Die eigenen Sportanlagen waren weitestgehend zerstört, viele Vereinsmitglieder waren im Krieg gefallen. Trotzdem wurde bereits am 13. Oktober 1945 im Gasthaus Krone in Fellbach unter entscheidender Mitwirkung von VfB-Präsident Fritz Walter die Süddeutsche Oberliga gegründet. Auf dem Kohlenwagen mussten VfB-Verantwortliche reisen, um über vorige Gaugrenzen und damalige Zonengrenzen hinweg für die Gründung der neuen Liga in Süddeutschland zu werben. Es gelang dem VfB, in der am 4. November 1945 unter dem Vorsitz von Dr. Walter gestarteten Oberliga gleich die erste Süddeutsche Meisterschaft der Nachkriegszeit und damit auch die Amerikanische Zonenmeisterschaft zu gewinnen. Robert Schlienz war mit 42 Treffern zugleich erster Torschützenkönig der neuen Liga. Die Deutsche Meisterschaft wurde damals aufgrund der unterschiedlichen Bestimmungen in den verschiedenen Besatzungszonen nicht ausgetragen.

Die Oberliga wurde bei den Fans schnell populär und so kam Geld in die Kassen des Vereins, der so die zerstörte Infrastruktur wieder aufbaute. Der VfB erlangte nun eine wichtige regionale Bedeutung, und für den VfB spielen zu können, wurde das Ziel von vielen Jugendlichen. Auch nach der Einführung des Vertragsspielerstatuts 1948 konnten die Spieler des VfB von den Bezügen, die ihnen ihre Spielerverträge bescherten, nicht leben, und so förderte der Klub bei den Spielern die Selbstständigkeit. So führte Robert Schlienz nebenbei ein Sportartikelgeschäft, Karl Barufka ein Spirituosengeschäft und Erich Retter eine Tankstelle. Beim VfB versuchten die Verantwortlichen immer, den Spielern dabei zu helfen, Fußball und Beruf vereinbaren zu können.

In den folgenden Jahren tummelten sich die Fußballer zunächst nur im Mittelfeld der Oberliga und landete erst 1950 als Zweiter wieder weit oben in der Tabelle. Damals begann die erfolgreichste Ära des Vereins, der nun den Stadtkonkurrenten Stuttgarter Kickers endgültig als Nummer 1 in der Stadt ablöste. Die Süddeutsche Vizemeisterschaft berechtigte den VfB, an der K.-o.-Runde zur Deutschen Meisterschaft teilzunehmen. Dort zog der VfB zum zweiten Mal in ein Endspiel um die Deutsche Meisterschaft ein, welches er in Berlin gegen Kickers Offenbach mit 2:1 gewann. Die erste Deutsche Meisterschaft des VfB war erreicht. Danach wurde dem VfB als erstem Fußballverein überhaupt von Bundespräsident Theodor Heuss das Silberne Lorbeerblatt verliehen.[36] Bei ihrer Ankunft am Stuttgarter Bahnhof wurde die Mannschaft euphorisch gefeiert und unter anderem von der Endspielelf von 1935 empfangen.

Spieldaten des Endspiels um die Deutsche Meisterschaft 1950

Nachdem der Deutsche Fußball-Bund 1950 wieder Länderspiele austragen durfte, wurden schließlich Spieler vom damaligen Deutschen Meister, wie zum Beispiel Karl Barufka, berufen. 1951 verpasste der amtierende Meister die Endrunde der Meisterschaft als Vierter der Oberliga Süd knapp. Doch 1952 wurde der VfB wieder Süddeutscher Meister, nachdem die Mannschaft den 1. FC Nürnberg noch im letzten Spiel durch einen Sieg im direkten Duell abfing. Durch den Sieg in der Gruppenphase erreichte der VfB zum dritten Mal das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft, das der Klub in Ludwigshafen gegen den 1. FC Saarbrücken gewann. Die Mannschaft entsprach in weiten Teilen der Meistermannschaft von 1950. Mercedes-Benz stellte dem VfB damals Wagen zur Verfügung, mit denen die Mannschaft eine Rundfahrt durch die Region machte, wobei sie wieder euphorisch gefeiert wurde.

Spieldaten des Endspiels um die Deutsche Meisterschaft 1952

In der kommenden Saison erreichte der VfB nach einem schwachen Saisonstart doch noch die Süddeutsche Vizemeisterschaft und bekam so die Chance, den Meistertitel zu verteidigen. Inzwischen war Erich Retter Nationalspieler geworden. Nachdem die Mannschaft diesmal nur knapp aufgrund des direkten Vergleichs in der Vorrunde nach einem Sieg im letzten Spiel gegen Borussia Dortmund den Gruppensieg holte, erreichte der Fußballmeister zum zweiten Mal in Folge das Endspiel. Karl Barufka war nach seiner Verletzung aus dem Spiel gegen Dortmund nicht einsatzfähig im Finale gegen den 1. FC Kaiserslautern. Doch nach der blutigen Niederschlagung des Arbeiteraufstandes am 17. Juni 1953 in Berlin wurde schon über eine Verschiebung des Spielorts nachgedacht. Der DFB hielt trotzdem am Berliner Olympiastadion als Austragungsort fest. Die Titelverteidigung gelang nicht, als das Team gegen den mit Stars aus der späteren Weltmeistermannschaft von 1954 gespickten 1. FC Kaiserslautern mit 1:4 unterlag. Ein Positiverlebnis hatte lediglich Karl Bögelein, der zu Beginn einen Elfmeter gegen die spätere Fußballlegende Fritz Walter hielt. Letzterer führte den FCK trotzdem zu einem deutlichen Sieg.

Spieldaten des Endspiels um die Deutsche Meisterschaft 1953

 

DFB-Pokal von 1954

In der folgenden Saison wurde der VfB wieder Süddeutscher Meister. Jedoch schied der VfB diesmal in der Vorrunde der Deutschen Meisterschaft als Gruppenzweiter nach einer 1:3-Niederlage gegen Hannover 96 aus. Der Saisonhöhepunkt des Jahres 1954 war das Endspiel eines anderen Wettbewerbs. Zum ersten Mal erreichten die Fußballer das Finale des DFB-Pokals und traf auf den 1. FC Köln. Erwin Waldner erzielte damals nach einer Vorlage von Robert Schlienz das entscheidende Tor an diesem Karsamstag. So wurde der VfB in dem Jahr zum ersten Mal DFB-Pokalsieger, in dem Deutschland zum ersten Mal Fußballweltmeister wurde.

Spieldaten des Endspiels um den DFB-Pokal 1954

1955 rutschte der amtierende Pokalsieger in der Oberliga auf einen enttäuschenden dreizehnten Platz ab. Doch 1956 wurde der VfB Süddeutscher Vizemeister und erreichte wieder die Meisterschaftsendrunde, nachdem die Mannschaft in der Qualifikation zur Endrunde TuS Neuendorf bezwang. Diesmal schied das Team als Gruppendritter in der Gruppenphase aus. Es war die letzte Teilnahme an der Meisterschaftsendrunde. 1956/57 begann der VfB die Saison mit guter Frühform, Schweinfurt 05 wurde 7:0, der Wiederaufsteiger Bayern München mit 5:0 besiegt, und Erwin Waldner war bis zu seinem Platzverweis gegen Augsburg der Garant des Erfolges. Danach kam die Tormaschine ins Stottern, und der VfB beendete die Saison auf Platz 4 der Oberliga. 1957 wurde die Einführung der Bundesliga und des Profifußballs beschlossen, und der VfB gehörte zu den Befürwortern. Er hatte nämlich zwei talentierte junge Nationalspieler verpflichtet, Rolf Geiger von den Stuttgarter Kickers und Rudolf Hoffmann von Aschaffenburg, die wegen Verstoßes gegen die Amateurregeln erst einmal gesperrt wurden. Am Ende der Saison 1957/58 hielt sich die Enttäuschung über den neunten Platz in der Oberliga in Grenzen. Zum zweiten Mal erreichte der VfB das Endspiel des DFB-Pokals, diesmal gegen Fortuna Düsseldorf. Gegen das Team um den späteren Bundestrainer Jupp Derwall gewann der Klub mit den beiden Neuzugängen, aber wieder erst in der Verlängerung durch den entscheidenden Treffer von Lothar Weise.

Spieldaten des Endspiels um den DFB-Pokal 1958

In den kommenden Jahren spielte der VfB keine bedeutende Rolle im süddeutschen Fußball und landete bis zur Gründung der Bundesliga immer zwischen Platz fünf und Platz sieben. 1959/60 sah es zwar bis zum Sieg gegen den amtierenden Meister Eintracht Frankfurt so aus, als ob die Endrunde um die Meisterschaft erreicht werden könnte, aber dann begann der Absturz. Es war das Jahr, in dem Schlienz erstmals nicht mehr zum Einsatz kam. Georg Wurzer wollte die Mannschaft mit Talenten aus der eigenen Jugend verjüngen, mit der Folge von Leistungsschwankungen. 1959/60 gingen dann Trainer Wurzer, Erwin Waldner wechselte nach Zürich, und der neue Trainer Baluses versuchte es mit Kampffußball statt spielerischer Finesse. Als Ergebnis blieben die Fans aus, und es war fraglich, ob der VfB mit diesen Leistungen die Qualifikation zur Bundesliga erreichen würde. Vor der letzten Oberligasaison 1962/63 wechselte auch noch Rolf Geiger nach Italien, dafür besaß man mit Entenmann, Sieloff und Pfisterer eine namenlose, aber talentierte Läuferreihe. Die Saison wurde zur Zitterpartie, in der man zwischenzeitlich bis auf Platz 14 abrutschte und die Bundesligaqualifikation in weite Ferne geriet. Am Ende erreichten die Stuttgarter den sechsten Platz. Wegen des komplizierten Auswahlverfahrens war lange ungewiss ob der VfB der neuen Bundesliga angehören würde. Erst ein Telegramm bestätigte am 6. Mai 1963 endgültig die Zugehörigkeit des VfB zur Bundesliga. Zuvor wurde von der Presse vermeldet: Karlsruhe (419 Qualifikationspunkte), Stuttgart (408) und Offenbach (382) sind als gleichwertig anzusehen, weswegen der diesjährige Tabellenstand ausschlaggebend ist. Somit war es möglicherweise entscheidend, dass der VfB punktgleich aufgrund der besseren Tordifferenz 1962/63 in der Oberliga Süd einen Platz vor den Kickers Offenbach lag.

1963 bis 1976: Vom Gründungsmitglied zum Absteiger

Saison

Platz

Zuschauer

1963/64

5/16

40.459

1964/65

12/16

31.167

1965/66

11/18

27.190

1966/67

12/18

30.558

1967/68

8/18

25.948

1968/69

5/18

21.440

1969/70

7/18

20.735

1970/71

12/18

18.654

1971/72

8/18

21.352

1972/73

6/18

15.185

1973/74

9/18

25.533

1974/75

16/18

26.504

1975/76

11/20

11.330

1963 zählte der VfB zu den 16 Gründungsmitgliedern der Bundesliga. Mit Fritz Walter hatte der Verein damals einen Präsidenten, der keine finanziellen Risiken eingehen wollte und lieber auf ehrenamtliche Arbeitskräfte setzte als auf ein bezahltes professionelles Management und eine Mannschaft, die nur aus Vollprofis besteht. Dennoch konnte sich die Mannschaft, nachdem nun Profifußball erlaubt war, mit den Heimkehrern Rolf Geiger und Erwin Waldner verstärken. Dazu kam noch Hans Arnold aus Mannheim. In der ersten Bundesligasaison konnte so ein fünfter Platz erreicht werden. Doch nachdem die Fußballmannschaft sich bis 1968 nur noch im Mittelfeld befand, forderten immer mehr ein modernes Management beim VfB, welches sich bei den erfolgreichen Vereinen der Liga bereits bewährt hatte. Dr. Walter war dazu nicht bereit und so trat Hans Weitpert, der an der Spitze derer stand, die eine neue Einkaufspolitik forderten, dessen Nachfolge an. Es dauerte nicht mehr lange, bis mit Günter Sawitzki 1971 der letzte Spieler des VfB, der nebenbei einen Beruf ausübte, seine Karriere beendete.

Prominente Trainer in den ersten Bundesligajahren waren Rudi Gutendorf, Albert Sing und Branko Zebec. Nachdem die Fußballer 1969 wieder Fünfter geworden waren, verloren die Stuttgarter in den folgenden Jahren den Anschluss zur Spitze und spielten die kommenden Jahre hauptsächlich im Mittelfeld der Liga. Nur 1973 erreichte die Mannschaft den UEFA-Pokal und konnte 1974 erstmals das Halbfinale erreichen. Dort schied der VfB gegen Feyenoord Rotterdam aus. Im April 1975 räumte Weitpert, der mit seiner offensiven Einkaufspolitik gescheitert war, seinen Präsidentenposten. Gerhard Mayer-Vorfelder wurde zum neuen Präsidenten des Vereins gewählt. Mayer-Vorfelders vorige Aufgabe als Vorsitzender des Verwaltungsrats übernahm das bisherige Vorstandsmitglied Heinz Bandke. Der VfB befand sich zu dieser Zeit auf einem Abstiegsplatz. Am Ende der Saison stieg der VfB aus der 1. Liga ab. Zuvor war der VfB nur 1923/24 für eine einzige Saison zweitklassig gewesen.

Die folgende Saison wurde zu einem der schwächsten sportlichen Kapitel der VfB-Geschichte – der Verein belegte in der 2. Liga lediglich Platz 11. Den Tiefpunkt bildete das Heimspiel gegen den SSV Reutlingen 05 vor 1.200 Zuschauern, das mit 2:3 verloren ging.

1976 bis 1989: Aufstieg und Rückkehr an die Spitze

Saison

Platz

Zuschauer

1976/77

1/20

22.689

1977/78

4/18

53.567

1978/79

2/18

41.297

1979/80

3/18

33.405

1980/81

3/18

30.073

1981/82

9/18

26.126

1982/83

3/18

27.526

1983/84

1/18

31.076

1984/85

10/18

22.648

1985/86

5/18

21.638

1986/87

12/18

20.699

1987/88

4/18

26.313

1988/89

5/18

26.895

Zur Saison 1976/77 verpflichteten Gerhard Mayer-Vorfelder und sein neuer Geschäftsführer Ulrich Schäfer Jürgen Sundermann als VfB-Trainer. Aus finanziellen Zwängen musste der VfB vor allem auf junge Spieler setzen. Mit dem damaligen Hundert-Tore-Sturm gelang dem VfB die Rückkehr ins Fußball-Oberhaus. Dabei erzielte Ottmar Hitzfeld im Heimspiel gegen den SSV Jahn Regensburg sechs Treffer (Endstand 8:0). Dieser Rekord hat bis heute Bestand.

In der Saison 1977/78, der ersten Saison nach der Rückkehr in die Bundesliga, erreichte der VfB einen vierten Platz. Dabei stellte er mit einem Zuschauerschnitt von fast 54.000 einen fast 20 Jahre gültigen Bundesliga-Rekord auf. In den Folgejahren konnte sich der VfB in der Bundesligaspitze etablieren.

Spieler in dieser Zeit waren u. a. Hansi Müller, Karlheinz und Bernd Förster, Karl Allgöwer, Dieter Hoeneß, Hermann Ohlicher und Helmut Roleder. Bis 1980 qualifizierte sich die Mannschaft in jeder Saison nach dem Aufstieg für den UEFA-Pokal. 1979/80 erreichte das Team zum zweiten Mal das Halbfinale des UEFA-Pokals, als der VfB gegen Borussia Mönchengladbach nach einem 2:1-Heimsieg und einer 0:2-Niederlage auswärts knapp ausschied.

 

Jürgen Klinsmann als Bundestrainer – seinen Durchbruch als Spieler hatte er beim VfB

Die Infrastruktur wurde zu Beginn der 1980er Jahre angepasst: 1981 bezog der VfB nach knapp zweijähriger Bauzeit sein neues Clubzentrum (Kostenaufwand damals: ca. 5,2 Millionen Euro). Nachdem der Verein 1982 auf den neunten Platz abrutschte, qualifizierten sich die Fußballer 1983 mit einem dritten Platz für den UEFA-Pokal. Im Sommer des selben Jahres nahm der VfB Stuttgart an dem Turnier der Hundertjahrfeier von Girondins Bordeaux teil und besiegte dort nach einem Halbfinalsieg gegen den FC Nantes den Gastgeber aus Bordeaux, der sich im Halbfinale gegen den FC Barcelona durchgesetzt hatte. 1984 erreichte der Verein unter Trainer Helmut Benthaus seine dritte deutsche Meisterschaft. Nachdem die Mannschaft am 32. Spieltag punktgleich mit dem Hamburger SV an der Spitze lag, drohte ein Endspiel am 34. Spieltag im Neckarstadion gegen den HSV. Doch da der VfB selbst gegen Werder Bremen siegte und der HSV gegen Eintracht Frankfurt gleichzeitig unterlag stand fest, dass der HSV mit 5 Toren Vorsprung im direkten Duell in Stuttgart hätte gewinnen müssen, um Deutscher Meister zu werden. Der HSV erzielte lediglich in den letzten Minuten, als die VfB-Fans schon die Meisterschaft feierten, den 1:0-Siegtreffer. Erstmalig im Europapokal der Landesmeister vertreten, scheiterte der VfB in der ersten Runde gegen Levski Spartak Sofia.

1985 erreichte der VfB den 10. Platz. 1986 erreichte der Verein unter den Trainern Bari? und Entenmann zum dritten Mal ein DFB-Pokal-Finale, das der FC Bayern München mit 5:2 gewann. Trotzdem trat der VfB als Fünfter der Bundesliga-Saison in der folgenden Saison nicht im UEFA-Pokal, sondern im Europapokal der Pokalsieger an, weil der FC Bayern als Meister bereits im Europapokal der Landesmeister spielte.

Spieldaten des Endspiels um den DFB-Pokal 1986

1986/87 schied der VfB bei der ersten Teilnahme im Europapokal der Pokalsieger im Achtelfinale gegen Torpedo Moskau aus. Ende der 80er Jahre qualifizierte sich der VfB mit Spielern wie Buchwald, Jürgen Klinsmann, Sigurvinsson oder Immel und Trainer Arie Haan 1988 und 1989 wieder für den UEFA-Pokal. In die Chronik des Vereins eingegangen ist dabei vor allem das UEFA-Pokal-Finale von 1989 gegen den SSC Neapel. Auf Klinsmann musste die Mannschaft wegen einer Gelbsperre aus dem Halbfinale im Hinspiel verzichten. Nach einer fragwürdigen Schiedsrichterleistung hatte der VfB das Hinspiel in Neapel mit 1:2 gegen Napoli verloren. Beim 1:1 nahm Diego Maradona den Ball mit der Hand mit und der Handelfmeter zum 1:2 war ebenfalls nach einstimmiger Meinung der Fußballexperten nicht berechtigt. Zudem wurde Kapitän Guido Buchwald durch eine gelbe Karte für das Rückspiel in Stuttgart gesperrt. Der griechische Schiedsrichter Gerassimos Germanakos aus dem Hinspiel wurde danach von der UEFA gesperrt, was keine Auswirkungen hatte, da der Schiedsrichter ohnehin zurückgetreten war.[40] Ein 3:3 im Rückspiel reichte dann nicht mehr zum Titelgewinn.

Spieldaten der Endspiele um den UEFA-Cup 1989

1989 bis 2001: Von der Spitze in den Abstiegskampf

 

Meistertrainer Christoph Daum

Saison

Platz

Zuschauer

1989/90

6/18

24.684

1990/91

6/18

28.987

1991/92

1/20

33.553

1992/93

7/18

26.872

1993/94

7/18

27.434

1994/95

12/18

30.547

1995/96

10/18

29.087

1996/97

4/18

38.661

1997/98

4/18

36.700

1998/99

11/18

29.034

1999/00

8/18

28.971

2000/01

15/18

24.124

 

 

Saison

Platz

Zuschauer

2001/02

8/18

26.097

2002/03

2/18

31.251

2003/04

4/18

41.728

2004/05

5/18

38.350

2005/06

9/18

36.266

2006/07

1/18

45.439

2007/08

6/18

50.899

2008/09

3/18

51.979

2009/10

6/18

41.065

2010/11

12/18

39.041

2011/12

6/18

55.089

1990 kamen Christoph Daum als Trainer und Dieter Hoeneß, der von Ulrich Schäfer die Aufgaben des Sportmanagers übernahm, zum VfB. 1992 wurde der VfB unter Daum unter anderem mit Guido Buchwald, Fritz Walter und Matthias Sammer zum vierten Mal Deutscher Meister. In einem Herzschlag-Finale setzten sich die Stuttgarter durch einen Treffer in der 86. Minute des letzten Spieltags (2:1-Sieg in Leverkusen) im Fernduell gegen Eintracht Frankfurt (1:2 bei Hansa Rostock) und Borussia Dortmund (1:0 beim MSV Duisburg) durch; Fritz Walter wurde Torschützenkönig. Der VfB war damals vor dem letzten Spieltag lediglich zwei Mal Tabellenführer gewesen. In der Folgesaison unterlief Trainer Daum in der ersten Runde des Europacups gegen Leeds United am 30. September 1992 ein folgenschwerer Fehler: Er wechselte mit Jovica Simani? einen damals nicht gestatteten vierten Ausländer ein. Das Spiel wurde gegen den VfB gewertet und der Verein schied, nach einem Wiederholungsspiel in Barcelona vor gerade einmal 15.000 Fans, bereits zum zweiten Mal in seiner Geschichte, in der ersten Runde des Europacups der Landesmeister aus. Damit verpasste der VfB die Teilnahme an der Champions League. In den kommenden drei Jahren qualifizierte sich die Mannschaft nicht mehr für den Europacup und schaffte es wie schon 1984 zunächst nicht, sich als Meister an der Spitze zu halten. Nachdem der Verein sich im Dezember 1993 von Meistertrainer Daum trennte, entließ Gerhard Mayer-Vorfelder zusammen mit dem Daum-Nachfolger Jürgen Röber im April 1995 auch den Manager Dieter Hoeneß.

Unter Rolf Fringer spielte in der Saison 1995/96 erstmals das so genannte Magische Dreieck zusammen, das aus den Spielern Krassimir Balakow, Giovane Élber und Fredi Bobi? bestand. Dennoch wurde der VfB nur Zehnter und so legte der VfB Fringer keine Steine in den Weg, Schweizer Nationalteamtrainer zu werden. Erst unter Joachim Löw, der von Fringers Co-Trainer zum Interimstrainer und schließlich zum Cheftrainer wurde, knüpfte der VfB wieder an frühere Erfolge an. Das „Magische Dreieck“ sorgte in der Bundesliga für Furore und gewann 1997 durch einen 2:0-Sieg im Finale in Berlin gegen den damaligen Regionalligisten Energie Cottbus den DFB-Pokal. Dabei erreichte das Team im Viertelfinale nur durch das Elfmeterschießen gegen den SC Freiburg das Halbfinale, wo die Mannschaft den Hamburger SV im eigentlichen Endspiel mit 2:1 bezwang. Von den 78 Bundesliga-Saisontoren 1996/97 schossen Bobic, Elber und Balakov alleine 49, nur 10 weniger als die gesamte Mannschaft in der Vorsaison erzielte. Doch so schnell das Magische Dreieck sich einspielte, so schnell trennten sich die Wege der Traumoffensive des VfB auch wieder. Die zwei entscheidenden Tore von Giovane Elber im Pokalfinale waren seine beiden letzten für den VfB, er wechselte zum FC Bayern München.

Spieldaten des Endspiels um den DFB-Pokal 1997

Ein Jahr später stand der VfB im Finale des Europapokals der Pokalsieger, das er in Stockholm unglücklich mit 0:1 gegen Chelsea London verlor, nachdem der eingewechselte Gianfranco Zola mit seinem ersten Ballkontakt das entscheidende Tor erzielte. Danach ging mit Fredi Bobi? der zweite Spieler des magischen Dreiecks, er wechselte zu Borussia Dortmund. Nur Krassimir Balakow blieb bis zu seinem Karriereende beim VfB.

Spieldaten des Endspiels um den Europapokal der Pokalsieger 1998

Doch trotz der Erfolge verlängerte der Verein unter der Leitung von Gerhard Mayer-Vorfelder, der im März 1998 Karlheinz Förster als neuen Sportdirektor eingestellt hatte, den am Saisonende 1998 auslaufenden Vertrag mit Löw nicht. Stattdessen wurde nun Winfried Schäfer verpflichtet. Vor allem bei den Fans war diese Entscheidung sehr unpopulär, da Schäfer vom Erzrivalen Karlsruher SC kam, wo er sich einen Namen gemacht hatte. Der Trainerwechsel erwies sich schnell als Fehler und so wurde Schäfer noch im selben Jahr wieder entlassen. Innerhalb eines Kalenderjahres wurden fünf Trainer ausgewechselt (Joachim Löw, Winfried Schäfer, Wolfgang Rolff, Rainer Adrion und Ralf Rangnick).

Die folgenden Jahre brachten mehr sportlichen Misserfolg als Erfolg. Finanzielle Probleme, die vor allem auf die riskante Transferstrategie unter Gerhard Mayer-Vorfelder und seinem geschäftsführenden Vorstandsmitglied Ulrich Schäfer zurückzuführen waren, wurden gegen Ende des 20. Jahrhunderts auch vereinsintern kritisch gesehen. Schon allein der von Mayer-Vorfelder mit Dušan Bukovac ausgehandelte Rentenvertrag von Krassimir Balakow belastete den VfB. Dieser hoch dotierte Vertrag (geschätzte 3 Mio € Jahresgehalt) konnte durch das Ziehen einer Option von Balakow fristlos verlängert werden und wurde nach harten Verhandlungsrunden zwischen Mayer-Vorfelders Nachfolger Manfred Haas und Bukovac erst 2003 beendet. Zudem litt der Verein unter einigen teuren Einkäufen von Spielern, die gar nicht oder kaum für den Verein aufliefen. Beispiele sind Didi, Srgjan Zaharievski, Mitko Stojkovski oder Sasa Markovi?. Im Juni 1999 sprach der Aufsichtsrat des VfB Gerhard Mayer-Vorfelder das Misstrauen aus und kündigte an eine Wiederwahl des Präsidenten im folgenden Jahr nicht mitzutragen. Der Aufsichtsratsvorsitzende Heinz Bandke, der seit Beginn der Präsidentschaft Mayer-Vorfelders dessen Entscheidungen meist mitgetragen hatte, etablierte im September 1999 mit Hansi Müller im Vorstand ein Gegengewicht zum Vereinspräsidenten.[44] Als Mayer-Vorfelder, kurz bevor er den Verein im Oktober 2000 wegen seiner anstehenden Aufgabe als Präsident des DFB freiwillig verließ, den Verein weiter finanziell ins Risiko stürzen wollte[45], setzten sich Hansi Müller und sein Vorstandskollege Karlheinz Förster, die stattdessen auf junge Spieler setzen wollten, gegen den scheidenden Präsidenten durch. Manfred Haas wurde im Oktober 2000 zum Nachfolger von Gerhard Mayer-Vorfelder gewählt.

Unter Trainer Ralf Rangnick wurde ein sportlicher Konsolidierungsprozess eingeleitet. Wegen Kompetenzstreitigkeiten untereinander traten der Sportdirektor Karlheinz Förster und sein Vorstandskollege Hansi Müller im Januar 2001 innerhalb von einer Woche zurück. Das Erreichen des UEFA-Pokals durch den erstmaligen Gewinn des UI-Cups 2000 war nun eher ein Hindernis im Abstiegskampf. Nachdem der Verein im Februar 2001 auf den 17. Tabellenplatz abgestürzt war überzeugte Försters Nachfolger Rolf Rüssmann Trainer Ralf Rangnick davon das Traineramt zur Verfügung zu stellen.[47] Rangnicks Nachfolger wurde Felix Magath. Unter Magath schaffte der VfB am vorletzten Spieltag gegen Schalke 04 durch ein Tor von Balakow kurz vor dem Spielende den Klassenerhalt.

2001 bis 2007: Mit den „jungen Wilden“ zurück an die Spitze der Bundesliga [Bearbeiten]

Aufgrund der finanziellen Engpässe musste der VfB wie Mitte der 1970er Jahre auf die eigene Jugend setzen – Spieler wie Andreas Hinkel, Kevin Kurányi, Timo Hildebrand oder Aljaksandr Hleb bildeten ein Team, das sich hervorragend entwickelte und in den Medien den Beinamen „die jungen Wilden“ erhielt. Der VfB qualifizierte sich 2002 über den UI-Cup für den UEFA-Pokal 2002/03. Im Oktober 2002 wurde der Aufsichtsratsvorsitzende Heinz Bandke nach 27 Jahren in diesem Amt von Dieter Hundt abgelöst. Am Ende der Saison 2002/03 war die Mannschaft überraschend Vizemeister hinter Bayern München und qualifizierte sich damit erstmals für die Champions League. Der Verein wurde wegen seiner für die Region wichtigen Bedeutung mit dem Hans-Peter-Stihl-Preis ausgezeichnet. In der Champions League Saison 2003/04 zeigte die Mannschaft ihre Klasse u. a. durch einen 2:1-Sieg gegen Manchester United, sowie durch das Erreichen des Achtelfinals. Dort war erneut der FC Chelsea Endstation, nachdem sich der VfB durch ein Eigentor von Fernando Meira im Hinspiel selbst um die Chance auf den Einzug ins Viertelfinale brachte (0:1 zuhause, 0:0 auswärts).

2003 wurde Erwin Staudt neuer Präsident. Er wurde der erste hauptamtliche Präsident des VfB Stuttgart und trug mit seiner Mitglieder-Kampagne mit dem Titel „Wir packen Schalke“ entscheidend dazu bei, die Mitgliederzahl innerhalb von zwei Jahren mehr als zu verdreifachen. Zudem überzeugte er Rudi Häussler, direkt neben dem Gottlieb-Daimler-Stadion mit dem Carl Benz Center einen Multifunktionskomplex zu errichten. Vom Bau des Gebäudes profitierte der VfB als Hauptmieter wohl am meisten. Im Sommer 2004 wechselte Trainer Magath zum FC Bayern München, sein Nachfolger in Stuttgart wurde Matthias Sammer. Zwar erreichte der VfB in der Saison 2004/05 einen UEFA-Cup-Platz, allerdings verspielten die Fußballer mit einem kläglichen Saisonfinale eine deutlich bessere Platzierung. Daher trennte sich der Verein nach Saisonende von Sammer. Sein Nachfolger wurde im Sommer 2005 Giovanni Trapattoni.

Vor der Saison 2005/06 kam es zu großen personellen Wechseln beim VfB; Leistungsträger wie Kevin Kurányi (für etwa 8 Mio. zu Schalke 04), Philipp Lahm (war ausgeliehen von Bayern München) und Aljaksandr Hleb (wechselte für geschätzte 15 Millionen zum FC Arsenal) verließen den VfB, neu verpflichtet wurden u. a. Thomas Hitzlsperger (Aston Villa) und Jon Dahl Tomasson (AC Mailand). Durch die hohen Transfererlöse konnte der Verein zwar seine Verbindlichkeiten (die vor der Saison noch 8,21 Millionen Euro betrugen) deutlich reduzieren, doch hinkte die Mannschaft ihren eigenen sportlichen Ansprüchen hinterher. Anfang Februar 2006 trennte sich der VfB von Giovanni Trapattoni, dessen Taktik und Spielweise bei Fans und Spielern immer mehr in die Kritik geraten war.

 

Finanzvorstand Ulrich Ruf, Präsident Erwin Staudt und Maskottchen Fritzle mit der Meisterschale

Die Schwaben verpflichteten daraufhin Armin Veh als neuen Cheftrainer, der zu Beginn vom Aufsichtsratsvorsitzenden Dieter Hundt als Übergangslösung bis zur Sommerpause bezeichnet wurde. Der Wunschkandidat des zur Winterpause als Manager verpflichteten Ex-Spielers Horst Heldt konnte sich dennoch als Trainer für die kommende Saison durchsetzen. Nach der sportlich enttäuschenden Saison 2005/06 gab es vor der Saison 2006/07 wieder einige tiefgreifende personelle Änderungen. Nach zehn Jahren beim VfB beendete Kapitän Zvonimir Soldo seine Karriere und nach 14 Jahren verließ Andreas Hinkel den Verein.

Wie schon in früheren Jahren macht der VfB teils aus der Not eine Tugend und setzte zur Saison 2006/07 wieder auf junge Spieler. Der Verein hat mit Mario Gómez, Serdar Ta?ç? und Sami Khedira einige Talente aus der eigenen Jugend in der Mannschaft. Da der VfB inzwischen zu den reicheren Vereinen der Liga gehört, konnte der Klub sich mit neuen Spielern wie z. B. Pável Pardo, Ricardo Osorio oder Antônio da Silva verstärken. Nach einem eher schwachen Saisonstart 2006/07 wurde Armin Veh vom Aufsichtsratsvorsitzenden Hundt erneut kritisiert, worauf in den Medien Veh zunächst als Favorit auf die nächste Trainerentlassung gehandelt wurde. Jedoch gelang es dem VfB, mit einer sehr jungen Mannschaft wieder an die Erfolge der Jahre 2002 bis 2004 anzuschließen. Am 12. November 2006 übernahm der VfB mit einem 2:1-Sieg bei Hannover 96 erstmals seit fast zwei Jahren wieder die Tabellenspitze. Über den kompletten weiteren Verlauf der Saison hielt sich der Verein unter den ersten vier Vereinen der Bundesliga. Von den Medien bekam die Mannschaft aufgrund ihrer offensiven und erfolgreichen Spielweise den Beinamen „die jungen Wilden II“. Am vorletzten Spieltag der Saison übernahm der VfB zum zweiten Mal die Tabellenspitze und ging als Tabellenführer mit zwei Punkten Vorsprung vor FC Schalke 04 in den letzten Spieltag. Der VfB gewann das letzte Heimspiel gegen Energie Cottbus mit 2:1 und wurde damit Deutscher Meister 2007.

Nach Siegen gegen Alemannia Aachen II, den SV Babelsberg 03, den VfL Bochum, Hertha BSC und den VfL Wolfsburg stand das Team um Armin Veh nach genau zehn Jahren wieder im Endspiel um den DFB-Pokal im Berliner Olympiastadion. Dort verlor man am 26. Mai 2007 gegen den 1. FC Nürnberg mit 3:2 nach Verlängerung.

Spieldaten des Endspiels um den DFB-Pokal 2007

2007 bis heute: Schwache Hinrunden, starke Rückrunden

In der Champions League 2007/08 spielte der VfB gegen den FC Barcelona, Olympique Lyon und die Glasgow Rangers. Von den sechs Spielen in der Champions-League-Vorrunde gewann der VfB eines (3:2 im Heimspiel gegen die Glasgow Rangers). Aufgrund der weiteren fünf Niederlagen schied das Team als Gruppenletzter aus dem Europapokal aus.

Parallel dazu durchschritt der VfB in der Bundesliga-Saison 2007/08 eine Talsohle. Als amtierender Deutscher Meister rutschte man nach einigen Niederlagen zu Saisonbeginn tief in die untere Tabellenhälfte und rangierte nach zehn Spieltagen mit lediglich 10 Punkten auf Platz 14 der Tabelle. Ab dem elften Spieltag arbeitete der VfB sich in der Tabelle weiter nach oben. Die Saison schloss der VfB als Sechster ab und konnte sich über den UI-Pokal für den UEFA-Pokal 2008/09 qualifizieren. Im DFB-Pokal schied der VfB im Viertelfinale zu Hause gegen den Vorletzten der 2. Bundesliga Carl Zeiss Jena durch ein 6:7 nach Elfmeterschießen aus.

Nachdem der VfB in der Saison 2008/09 nach dem vierzehnten Spieltag mit achtzehn Punkten auf dem elften Tabellenplatz stand, wurde der Trainer Armin Veh entlassen und durch Markus Babbel ersetzt. Unter Babbels Leitung belegte die Mannschaft in der Abschlusstabelle den 3. Platz, der zur Teilnahme an der Qualifikation für die Champions League 2009/10 berechtigte. Im DFB-Pokal schied man im Achtelfinale durch eine deutliche 1:5-Heimniederlage gegen Bayern München aus. Im UEFA-Cup kam nach überstandener Gruppenphase das Aus gegen den Titelverteidiger Zenit Sankt Petersburg.

Der Abgang von Mario Gomez im Juni 2009 bedeutete den Verlust des besten Stuttgarter Torjägers der letzten Jahre. Um ihn zu ersetzen, wurde der russische Nationalstürmer Pawel Pogrebnjak verpflichtet. Zudem gelang es dem VfB, Aliaksandr Hleb nach vier Jahren, die er bei Arsenal London und dem FC Barcelona verbracht hatte, auf Leihbasis nach Stuttgart zurückzuholen.

In der Europapokal-Saison 2009/10 setzte sich der VfB zunächst im August 2009 in der Playoff-Runde der Champions League-Qualifikation gegen den rumänischen Vertreter FC Timi?oara durch und zog dadurch zum dritten Mal innerhalb von sechs Jahren in die Gruppenphase der Königsklasse ein. Dort bekam man den FC Sevilla, die Glasgow Rangers und Unirea Urziceni als Gruppengegner zugelost. Der VfB Stuttgart wurde Gruppenzweiter und erreichte das Achtelfinale, in dem er Titelverteidiger FC Barcelona mit 1:1 und 0:4 unterlag.

Der Pokalwettbewerb 2009/10 war für den VfB bereits im Achtelfinale beendet, als man nach schwacher Leistung gegen die SpVgg Greuther Fürth ausschied.

Die Bundesliga-Saison 2009/10 verlief ähnlich wie die vorangegangene Saison 2008/09: Die Hinrunde war weitestgehend von enttäuschenden Leistungen geprägt. Nach dem 15. Spieltag, als der VfB fast auf einem Abstiegsrang stand, wurde Markus Babbel entlassen; sein Nachfolger wurde der erfahrenere Schweizer Christian Gross. Unter ihm konnte noch vor der Winterpause die Situation in Liga und Europapokal verbessert werden. Nach der Winterpause, in der Thomas Hitzlsperger, Ludovic Magnin und Jan Šimák den Verein verließen und Cristian Molinaro von Juventus Turin ausgeliehen wurde, gelang dem VfB eine hervorragende Rückrunde, in der die Mannschaft als bestes Rückrundenteam vom unteren Tabellendrittel ins obere vorstoßen konnte und sich trotz der verkorksten ersten Saisonhälfte noch für die Teilnahme an der UEFA Europa League 2010/11 qualifizierte.

Zum Beginn der Bundesliga-Saison 2010/11 wechselte der Vorstand Sport Horst Heldt zum FC Schalke 04. Als Ersatz wurde der frühere VfB-Stürmer Fredi Bobi? als Sportdirektor verpflichtet. Auch auf dem Platz kam es zu einem größeren personellen Umbruch: Den Abgängen Jens Lehmann, Sami Khedira, Aljaksandr Hleb, Ricardo Osorio und Roberto Hilbert standen als Neuverpflichtungen Christian Gentner, Mauro Camoranesi, Philipp Degen, Martin Harnik und Johan Audel gegenüber. Nach Angaben der Vereinsführung konnten die laufenden Personalkosten so um 15 Mio. Euro gesenkt werden. Nachdem der VfB nach den ersten 7 Spieltagen nur 3 Punkte einfahren konnte und somit den 18. Tabellenplatz belegte, wurde der Cheftrainer Christian Gross am 13. Oktober 2010 von seinen Aufgaben entbunden. Der bisherige Co-Trainer Jens Keller wurde danach neuer Cheftrainer. Auch unter Jens Keller blieb der Erfolg aus, so dass er im Dezember 2010 ebenfalls von seinen Aufgaben entbunden wurde. Neuer Cheftrainer ist seit dem 12. Dezember 2010 Bruno Labbadia. Labbadia übernahm die Mannschaft auf Platz 17 und beendete die Saison mit dem VfB auf Platz 12.

Am 20. Mai 2011 gab Erwin Staudt bekannt, dass er für eine weitere Amtszeit als Vereinspräsident nicht zur Verfügung steht. Darauf schlug der Aufsichtsrat Gerd E. Mäuser als einzigen Kandidaten für die Nachfolge Staudts vor. Zwei Tage später kündigte Helmut Roleder seine Gegenkandidatur an. Ohne eine Satzungsänderung mit einer Mehrheit von 75 Prozent war es jedoch nicht möglich, gegen den Kandidaten des Aufsichtsrats anzutreten. Nachdem die entsprechenden Satzungsänderungsanträge abgelehnt wurden, wurde Gerd E. Mäuser auf der Mitgliederversammlung am 17. Juli 2011 mit einer Mehrheit von 58,7 Prozent zum neuen Vereinspräsidenten gewählt. Auf derselben Mitgliederversammlung wurde ein Antrag auf die Abberufung des Aufsichtsratsvorsitzenden Dieter Hundt durch eine Mehrheit von 65,3 Prozent der stimmberechtigten Mitglieder auf die Tagesordnung gesetzt und scheiterte bei einer Befürwortung durch 50,7 Prozent an der erforderlichen Mehrheit von 75 Prozent.

In der zum reinen Fußballstadion umgebauten Mercedes-Benz-Arena, deren Betrieb der Verein zum Beginn der Saison 2011/12 komplett übernahm, und mit Neuzugängen wie William Kvist, Maza und Ibrahima Traoré erreichte der VfB zur Winterpause im Dezember 2011 22 Punkte. Nachdem der Verein im Januar 2012 Vedad Ibiševi? und G?toku Sakai verpflichtete, qualifizierte sich der VfB Stuttgart am Saisonende mit insgesamt 53 Punkten als Tabellensechster für die Playoffs der UEFA Europa League 2012/13.

 

Quelle: Wikipedia

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